Krankheit macht frei! Im Falle von Alex Spalck, seines Zeichen früherer Sänger der Gruppe Pankow (Süd), nicht zu verwechseln mit den Mauerrockern Pankow (Ost), ein nur zu wahres Zitat! Denn ohne eine mittelgroße Störung kommt man nicht an die Genialität der italienischen Elektrokunst der Achtziger und Neunziger heran, wie sie von der Band abendfüllend und mitreißend zelebriert wurde. Wer hat nicht noch das Rotkäppchen im Kopf das mit wackelnden Hüften und weiteren hüpfenden Körperteilen durch den Wald cruiste oder die Frage nach dem Sinn der Revolution an Ulrike Meinhof. Bei der vorliegenden Compilation jedoch geht’s zurück in die Zeit des ersten Longplayers ‚Freiheit für die Sklaven’, der mit verunstaltetem Giger-Cover damals in Deutschland von ZYX an den Starrt gebracht wurde. Maxis gabs dazu einige, und die meisten der damals harsch gemixten Club-Tracks finden sich nun ergänzt um Unveröffentlichtes auf Infacteds Kult Klassiker Serie Teil 24. ‚Kunst und Wahnsinn’, in Deutschland damals als 12“ auf Tallas Zoth Ommog Label erschienen, bildet dabei zurecht einen zentralen Part der Veröffentlichung. Selten knallten Beats so schön und rankten sich um textlich verzweifelte Lebenseinstellungen der Italiener um dann in einem würgenden Röcheln zu enden. Nicht nur der Titeltrack wurde hervorragend vom Vorzeige-Mixer Adrian Sherwood aufbereitet, weitere sechs Tracks tragen seine Handschrift, darunter das legendäre ‚Hard Dub’ des Prince Klassikers ‚Girls and Boys’, dem man jede Spur Funk mit der Keule rechtmäßig aus dem Takt geprügelt hat. ‚Pankow show you their Dongs’ steht es silbern auf der Maxi von ‚Me and my Ding Dong’, während bei der vorliegenden Zusammenstellung nur die bereits vorher veröffentlichte ‚Wet’-Version eine vage Vorstellung davon gibt, was einen im Stretchedit das genannten Songs wenige Monate später erwartete! Auch ‚Sickness Taking Over’ hat’s geschafft und ‚Touch’ ist neben der 12“ Version auch im raren ‚Tallateen Mix’ von der Technoclub Compilation enthalten: erheblich tanzbarer wird der kleine EBM-Bastard zum Tanzflächenkiller. Den krönenden Abschluss bilden die unveröffentlichte, minimalistische, verhallte Live-Version der Wahnsinns-Nummer und ‚Der Mussolini’, vom bereits 90 veröffentlichten Live Album. Große Tonkunst die nicht groß gefunden werden musste, sondern nur darauf gewartet hat von Maurizio Fasolo remastert in 2011 ein liebevolles Comeback in 1000er Auflage zu feiern.