Was habe ich mich gesträubt. Negură Bunget liefen bei mir immer unter „Eigentlich geil, aber mir zu komplex und wenig greifbar“. Die Spaltung der Bandmitglieder 2009 führte immerhin dazu, dass mit Dordeduh eine Band entstand, die mich wirklich überzeugen konnte, insbesondere mit ihrem letzten Album ‚Har‘. Schlagzeuger und Gründungsmitglied Negru verblieb und versuchte, in neuer Besetzung seine Vision von Negură Bunget in Form der ersten beiden Teile seiner „Transylvanian Trilogy“ fortzusetzen und weiterhin fiel es mir schwer, mich auf progressive Black Metal Elemtente und viel Folklore und Ambient einzulassen. Ja, diese Musik hat immer etwas, aber wenig, dass mir eine Rückkehr wirklich schmackhaft macht. Und zugegebenermaßen war auch die Presse in ihrer Gesamtheit nicht mehr nur ausschließlich begeistert. 2017 dann verstarb Negru überraschend an einem Herzinfarkt. Aus den bestehenden Schlagzeugaufnahmen und Demomitschnitten versuchten die verbliebenen Bandmitglieder nun in einem vierjährigen Prozess, den dritten und abschließenden Teil im Sinne Negrus zu erstellen. Ende 2021 war es dann so weit, ‚Zău‘ erschien und seit einem halten Jahr drückte ich mich vor diesen Zeilen. Es ist vielleicht meiner aktuellen Situation geschuldet, aber es fällt mir wirklich schwer, die Geduld für ‚Zău‘ aufzubringen. Dabei geht es mir mit anderen zähen Werken nicht (immer) so. Aber ich wollte es trotz allem schaffen, denn es gibt vieles, das mir an diesem Werk sehr sehr gut gefällt. Eigentlich gefallen mir alle Einzelteile dieser 50minütigen Reise durch 5 Stücke. Nur vielleicht nicht zusammengefügt. In den metallischen Parts haben es die beteiligten Musiker geschafft, der Härte wieder eine klarere Linie zu verleihen. Gerdade im wunderbaren „Obrăzar“ ist ab Minute zwei eine atmosphärische Sogwirkung zu verspüren, man verliert sich ähnlich wie bei norwegischen Bands der Marke Vemod in der Unendlichkeit der Wiederholung. Die epischen Keyboard-Melodien, begraben unter einer Wand aus Drumming und Riffs, der Gesang eher heisere Growls als Keifen. Ich habe auch nichts gegen die ersten zwei Minuten, Ambient mit etwas Flöterei. Für sich auch sehr sehr schön, vor allem Dank des sehr natürlichen Sounds. Aber in meinen Ohren wollen sie nicht als ein zusammengehörendes Lied funktionieren. Aber Negură Bunget bestehen auf diesen Aufbau, Rahmen alle metallischen Parts mit Soundscapes, die die transsilvanische Landschaft akustisch zeichnen sollen. Und auch das mag gelungen sein, hat man sich doch versucht, ein eher sanftes, positives Bild zu erschaffen. Die Landschaft in spätsommerlicher Pracht. Aber das will einfach nicht zur Härte und in sich kreisenden Melodik der metallischen Parts passen. ‚Zău‘ soll der Abschluss des Namens Negură Bunget sein. Die Musiker gaben an, dass dies das letzte Album unter dem Banner sei. Eine schlüssige und gute Entscheidung, will man sich einen eigenen Namen machen und nicht auf einen Rufaufbauen, an dessen Aufbau man nicht beteiligt war. Und es ist auch ein besserer Abschluss als das vorausgegangene ‚Zí‘, bei dem die Formel einfach nicht zünden wollte. Es mag an mir alleine liegen, ich kann nicht begeistert sein. Aber ich möchte ‚Zău’ auch nicht verdammen. Man kann ungemein viel Spaß haben mit dem Werk, zum Beispiel in den Anfangsmomenten von „Toacă din cer“, wenn Hölzer immer intensiver aneinander geschlagen werden und der Sound einfach eine Wonne ist. Und auch der folgende metallische Part mit seiner sehnsüchtigen Melodie ist ein Träumchen. Nur haben beide Teile nichts miteinander zu tun, werden aber als ein Song präsentiert. Damit ist ‚Zău’ ein guter, versöhnlicher Abschluss eines Bandnamens, der vor allem in den Anfangstagen verkopfte Extremmetaller im Sturm erobern konnte. Und auch wenn man weder an die Qualitäten der ersten Alben, noch an die aktuellen Werke des Abspaltungsprojektes Dordeduh heranreichen konnte, so ist das Album durchaus den ein oder anderen Lauscher wert.

Negură Bunget - Zău Prophecy Productions / 26.11.2021

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