Das Jahr 2014 wird als die bislang erfolgreichste Schaffensperiode in die Geschichte der Braunschweiger Synthpopband In Good Faith eingehen. Nach dem kompletten Abverkauf des Albums „Past_Tense_Presence“, das ab sofort nur noch ausschließlich digital zu erwerben ist, durfte man Ende März im hannoverschen Capitol als Vorband von And One auftreten und anschließend auf diversen weiteren Konzerten in ganz Deutschland seine Qualitäten als Liveband mit herausragenden Vocals beweisen. Mittlerweile haben sich Kai Vincenz und Marc mit dem Gitarristen Lars ein weiteres festes Bandmitglied geangelt, dessen Klängen der Hörer bereits auf der aktuellen Veröffentlichung „It’s Tearing Me Apart“ konzentriert lauschen kann. Am Entstehungsprozess des Titeltracks ließ die Band ihre „Follower“ via Facebook und Soundcloud stetig teilhaben. Insgesamt 5 Demoversionen wurden dort nach und nach publiziert und um jeweils zusätzliche Elemente sowie ausgereifteren Produktionsfacetten ergänzt. Das anfängliche Grundgerüst blieb bis zur 4. Version rein elektronisch, in der finalen Variante verliehen begleitende Gitarrenriffs dem Song einen erdigeren Touch. Mir persönlich gefiel die „Electro only“-Variante fast noch besser, so dass mich deren Fehlen auf der satte 10-Tracks umfassenden EP etwas enttäuscht. Aber dem darbenden Elektroniker verschafft die Band umgehend Abhilfe, schließlich zielt der knallende „Schwarzbund Remix“ des Songs voll auf die Tanzfläche und dürfte beispielsweise allen And One-Fans zusagen. „Liebe auf das erste Hören“ entfachte der treibende Song „Hit Me Hard“, das zweite Highlight der EP. Die vorliegende Version gehört auch live mittlerweile zu den Fixpunkten einer jeden IGF-Setlist und irgendwie schreit dieser Hit geradezu nach einer separaten Promotion, inklusive Video und Extended-Mix. Während die beiden eingangs thematisierten Hits noch verhältnismäßig deutlich an den Sound des Debütalbums anknüpfen, schlagen die Niedersachsen mit „Our World“ ein neues Kapitel auf. Hier wird der Fuß vom Gaspedal genommen und Gesang erreicht mit Hilfe einer hymnischen Melodieführung neue Dimensionen, die Vergleiche mit Evergreens aus dem Hause Mesh oder Zynic nicht zu scheuen brauchen. Nicht ganz so überzeugend kommt dagegen der Mix von „Someone“ daher, der im Original auf dem Album immer noch zwei Klassen besser ist und leider auch auf Konzerten immer in einer überarbeiteten Version performt wird. Nett - und das keinesfalls als kleine Schwester von xxxxxxx - ist dagegen „Under the Surface“, das im Vergleich zum Album etwas kompakter aufgenommen wurde sowie erneut „Our World“ im rein akustischen Gewand. Respekt für soviel gelebte Vielseitigkeit, die vor einigen Tagen auch im US-amerikanischen Radio gebührend abgefeiert wurde. In Good Faith haben mit dieser EP mehrere Türen aufgestoßen und es dürfte spannend sein zu beobachten, durch welche die Band gehen wird - bleiben sie eher elektronisch (was ich begrüßen würde), oder nehmen sie die progressiveren Einflüsse künftig noch ernster? Das Jahr 2015 bietet auf jeden Fall noch ausreichend viele Tage zur freien Entfaltung.